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Wandergebiet Vogler

Wenn der Vogler auch nur einer der kleinen Höhenzüge des Weserberglandes ist, so steht er doch an
Naturschönheiten den andere keineswegs nach. Wer irgendwo an seinem Rande oder in einem der beiden
Dörfer des Voglerkessels den Wanderstab ergreift, der entdeckt bald auf einem kleinen Raum von 5-10km
eine Überraschende Vielgestaltigkeit von Höhen und Bergvorsprüngen, von flachen Mulden und
tief eingekerbten Tälern, die das Wandern abwechslungsreich und zum Genuß macht.

Die reiche Gliederung hat ihre Ursache in dem geologischen Aufbau. Der Sandsteinblock des Voglers
wurde emporgehoben, gepreßt, verkantet und geschoben; Salz und Gips unter ihm wurden
ausgewaschen, und der Sandstein brach nach. Alle diese Bewegungen modellierten die Oberfläche
und gaben ihr die vielgegliederte Form, die den besonderen Reiz des kleinen Gebirges ausmacht.
Beim ersten Wandern erschwert sie allerdings die Orientierung, und es ist ratsam, sich den markierten
Wanderwegen anzuvertrauen, bis man einen ausreichenden Überblick gewonnen hat.
Dem Wanderer und Spaziergänger winken als Lohn für die Mühe des Anstiegs immer neue und weitere
Ausblicke, die sich nicht nur vom Kammweg aus bieten, sondern auch von vielen kleinen Berggipfeln
und Höhenwegen. Die Krönung dieser Erlebnisse bildet der Ausblick von den drei Aussichtstürmen:
von der 1863 erbauten Königszinne über der Stadt Bodenwerder, vom Bodoturm oberhalb des
Wesertales und vom Ebersnackenturm (460 m). Von ihm wird mit Recht gesagt, daß er den
umfassendsten Rundblick des gesamten Weserberglandes gewährt, reicht doch der Horizont bei
klarem Wetter vom Brocken bis zum Hermannsdenkmal, vom Habichtswald bis zur Porta Westfalica.

Neben der Schönheit der Landschaft findet der Wanderer im Vogler noch die Ruhe, die Voraussetzung
für jede Erholung ist. Bei der geringen Ausdehnung des Voglers war es in der Vergangenheit wie heute
bequemer, ihn zu umfahren, als sich mühsam über seine Höhen zu quälen. So führt nur eine Straße
in den großen Ringwall seiner Berge hinein, aber keine überschreitet ihn. Diese Verkehrsfeindlichkeit
gibt dem Vogler den Vorzug, eine Oase der Stille geblieben zu sein. Wer seine Schönheit genießen will,
muß wandern, und damit erfüllt das kleine Waldgebirge die Vorbedingungen, die an einen Naturpark
gestellt werden. Seit 1963 steht der Vogler zusammen mit dem Solling unter Landschaftsschutz.
Als Naturpark soll er noch mehr als bisher besonders dem erholungssuchenden Großstädter als
Wandergebiet erschlossen werden, obgleich er schon längst mit einem Netz markierter Wanderwege
überzogen ist und die Gemeinden für die Aufstellung von Ruhebänken gesorgt haben.

Heute sind die Forsten der Süd- und Osthänge sowie der Weserhang unter staatlicher Verwaltung
(obwohl letzterer noch der Stadt Bodenwerder gehört). Der Rest verteilt sich auf die Güter Kirchbrak,
Westerbrak und Buchhagen, auf einige bäuerliche Genossenschaften und Privatleute. Alle diese
Waldbesitzer bringen den sozialen Bestrebungen, die Wälder Stätten der Erholung sein zu lassen,
Aufgeschlossenheit und Verständnis entgegen.

Zur Geschichte braucht nicht viel gesagt zu werden. Seine geringe Ausdehnung und der Mangel an
wertvollen Bodenschätzen machten den Vogler für große Herren uninteressant. Obgleich er als
"mons fugleri", d.h. Berg des Vogelfanges zum erstenmal um 1000 in einer Grenzbeschreibung
der Diözese Hildesheim genannt wird, ist es eher unwahrscheinlich, daß Herr Heinrich hier am
Vogelherd saß. Die westliche Hälfte überließ 1033 König Konrad dem Bischof von Minden als Jagdbann.
Im Mittelalter gehörte der Vogler zur Grafschaft Homburg und fiel 1409 an das Herzogtum
Braunschweig.

Auch in den folgenden Jahren umbrandeten die Wogen der Geschichte den Vogler, ohne ihn ernstlich
in seiner Ruhe und Abgeschiedenheit zu stören. So wird nichts davon berichtet, daß die Dörfer
Breitenkamp und Heinrichshagen je von den Marodeuren der zahlreichen Kriege entdeckt worden seien.

Interesse fand der Vogler (wie alle anderen Höhenzüge des Oberweserberglan-des) dagegen bei
denen, die das Holz seiner Wälder zu nutzen wußten, besonders bei den Glasmachern, Aschebrennern und
Köhlern. Über drei Jahrhunderte hin verheizten Glasmacher in Wanderglashütten das Holz des Voglers,
um aus Sand Fensterglas und kunstvolle Trink- und Schenkgefäße herzustellen. Sie mußten ihre Hütten
abbrechen und an anderer Stelle wieder aufbauen, wenn nach etwa zehn Jahren das Holz in der Nähe
verbraucht war. Glasreste, glasierte Steine, Bruchstücke von Schmelzöfen und Werkzeuge fand man
bei Untersuchungen an verschiedenen Plätzen in der Tiefe der Täler. Zulieferer der Glasmacher waren
Aschebrenner, die Abfallholz zu Pottasche verwandelten, das dem Sand als Flußmittel zugesetzt wurde.
Die Arbeit der Köhler war unerläßlich für die Eisenindustrie. Nur mit Hilfe der Holzkohle ließ sich dem
Eisenerz das Eisen entziehen. Die Köhler belieferten besonders die Eisenhütte in Delligsen im Hils.
Von ihrer Tätigkeit zeugen noch heute die "Köhlerplacken", kreisrunde, eingeebnete, waagerechte
Plätze von etwa acht Meter Durchmesser, auf denen die Meiler schwelten. Bis zum Beginn des ersten
Weltkrieges waren die Köhler im Vogler tätig, aber weder Köhler noch Glasmacher entstammten der
heimischen Bevölkerung.

Zum Bild der erwachenden Dörfer gehörten früher die dem Wald zustrebenden Trupps von
Waldarbeitern. Ihre Zahl ist zusammengeschmolzen, seit die Motorsäge ihnen einen wesentlichen
und besonders anstrengenden Teil der Arbeit abgenommen hat. Ein ähnliches Schicksal ereilte die
Steinbrucharbeiter. Der Buntsandstein des Voglers ist ein vorzügliches Baumaterial, das sogar nach
Übersee verschifft wurde. In der Zeit des Betons aber hat er seine Bedeutung als Wirtschaftsfaktor
ebenso verloren wie der Wald, und nur wenige Steinbruchbetriebe, heute stark mechanisiert, sind
noch in Tätigkeit. Ein weiteres Mineral, der Gips, der bei Stadtoldendorf an die Oberfläche tritt,
wird dort und in Bodenwerder zu Stuckgips und Gipskartonplatten verarbeitet. An zwei Stellen am
Rande des Voglers wird der Gips auch untertage abgebaut.

Nur wenige der einst zahlreichen Holzverarbeitungsbetriebe um den Vogler herum sind übriggeblieben,
wie die Küchenmöbelfabrik in Kirchbrak. Von den drei Binnenschiffswerften in Bodenwerder existiert
seit 1997 keine mehr. Lediglich die Anlagen der ehemaligen Arminuswerke werden noch heute zur
Schiffsreparatur genutzt. In Eschershausen existiert neben kleineren metallverarbeitenden Betrieben
eine Schlauchbootfabrik.