Startseite   Home   Chronik    Zurück

Biografie über Herrn Friedrich Schreiber sen. (1905-2012)

Foto: Klassentreffen 06/2005In der Voglergemeinde Breitenkamp feierte mit dem im Ruhestand lebenden Pädagogen und Schulleiter Friedrich Schreiber am Sonnabend, 26. August 1985, auch ein verdienstvoller Heimatforscher, seinen 80. Geburtstag. Viele Gratulanten haben dem Jubilar für die Jahrzehnte unermüdlichen Wirkens und Forschens für seine „Wahlheimat" Weserbergland gedankt, ist es ihm doch in zahlreichen Veröffentlichungen und als verantwortungsbewusster Mitarbeiter in verschiedenen Vereinigungen gelungen, Geschichte, Kultur und Landschaft der engeren und weiteren Heimat den Mitmenschen, Wanderfreunden und Erholungssuchenden nahe zu bringen. Er verstand es wie kaum ein anderer, das Bewusstsein für Naturschönheiten und geschichtliche Zusammenhänge zu wecken und damit auch die Heimat aus vielfältiger Perspektive liebenswerter zu gestalten, seine Hörer bei Vorträgen und seine Leser von Wanderführem und Zeitungsberichten zu immer neuen Entdeckungen aufzufordern.

Das alles ist umso erstaunlicher, als Friedrich Schreiber ja kein Niedersachse ist, sondern 1905 in Halle an der Saale das Licht der Welt erblickte und bis zum Alter von 15 Jahren im Unstrut-Tal aufwuchs. Die Familie siedelte dann nach Woffleben im Kreis Nordhausen am Harz über, wo er auch 1934 seine Abitur-Prüfung ablegte. Er entschied sich für den Pädagogen-Beruf, besuchte von 1935 bis 1937 die Hochschule für Lehrerbildung in Cottbus und unterrichtete anschließend bis 1939 in Ostpreußen. Dabei machte er schon seine erste Bekanntschaft mit einer „Einklassigen". Von 1941 bis 1945 erlebte er auf verschiedenen Kriegsschauplätzen den Zweiten Weltkrieg und fand dann Anstellung 1947 bis 1951 als Lehrer bei Münster in Westfalen, wo er bald Wald und Berge schmerzlich vermisste.

Seine Stellen-Tauschanzeige hatte tatsächlich Erfolg. Nur so waren auch „Ländergrenzen zu überwinden". Und so kam es dann zu dem „denkwürdigen" Umzug der Lehrer-Familie Schreiber - 1949 hatte er geheiratet - aus Westfalen nach Niedersachsen in das kleine Voglerdorf Breitenkamp. Hier ist Friedrich Schreiber bis heute zuhause, hier unterrichtete er bis 1969 an der einklassigen Schule und nach ihrer Auflösung bis 1980 an der Grundschule in Kirchbrak, zuletzt bis zur Pensionierung auch als Schulleiter und Nachfolger von Hans Hölscher.

Der heimatverbundene Pädagoge fühlte sich im Vogler an seine früheren Harzjahre erinnert und griff in den 60er Jahren auch zur Feder, der nun eine Fülle von Veröffentlichungen entstammten. Seine drei Wanderführer (50 Rundwanderungen durch das Weserbergland - 25 Rundwanderungen durch den Solling - Kleiner Wanderführer durch den Vogler) sind Ergebnisse eigener Entdeckungen und Erlebnisse.

Der Pädagogen-Beruf weckte in Friedrich Schreiber auch den Heimatkundler, der seinen Kindern fundiertes Wissen nahe bringen wollte. Aus seinen gründlichen und umfassenden Kenntnissen heraus stellte er seine Sammlung „Heimatkundliche Anschlussstoffe für den Geschichtsunterricht" zusammen. Sie umfasst alle wesentlichen Zeiträume von den Auseinandersetzungen zwischen Germanen und Römern bis zum Zweiten Weltkrieg. Für den Heimatkunde-Unterricht in der Grundschule verfasste er 1965 die „Heimatkunde Kreis Holzminden", der inzwischen mehrere Auflagen folgten. Bald gehörte der schreibende Lehrer auch zu den Mitarbeitern der Heimatzeitung TAH, die ihm bis heute dankbar ist für immer neue fundierte Beiträge.

Friedrich Schreiber entdeckte aber bald, dass auch seine aktive Mitarbeit gefragt und geschätzt war. Er engagierte sich etwa ein Jahrzehnt als Vorsitzender des Vereins der Freunde des Voglers und einige Zeit an der Spitze des Kulturverein Breitenkamp. Als 1983 der Heimat- und Geschichtsverein Holzminden gegründet wurde, trat er ihm selbstverständlich bei und arbeitete als Heimat-Literat mit, wie er denn seine Vielseitigkeit in seinen mehr als ein Dutzend umfassenden Veröffentlichungen in der Reihe der „Heimatkundlichen Arbeitsgemeinschaft" unter Beweis gestellt hatte.

Wer erinnert sich nicht auch sehr gern an die vom Jubilar organisierten Busfahrten, die bis vor kurzem immer wieder als Entdeckungsreisen - jetzt selbst in die neuen Bundesländer - beliebt geworden sind. Der Heimatkundler Friedrich Schreiber, dem auch der Naturpark Solling-Vogler im Solling-Verein am Herzen liegt, nutzte sein handwerkliches Talent, um in liebevoller Kleinarbeit die Wanderwege im Vogler zu beschildern. Nicht zuletzt waren seine fundierten Kenntnisse immer wieder in Volkshochschulvorträgen, ja auch bei Jubiläen in Gemeinden - wie 1994 in Heyen - hoch willkommen.

Diese außerordentliche Vielseitigkeit, gespeist von unerschöpflicher Heimat- und Naturliebe, hat sich das Geburtstagskind bis ins „hohe Alter" bewahrt, und dazu gehören noch geistige Regsamkeit und Lebendigkeit, die den Jubilar „jung erhalten haben". Man wünscht sich gerade in seinem 90. Lebensjahr, dass diesem stillen und bescheidenen Sachwalter seiner Heimat, seine Schaffenskraft noch lange erhalten bleiben möge.

Auszug aus dem Täglicher Anzeiger Holzminden, 08/85
Gottfried Hetzer

Neufassung und Ergänzung 06/2006

Herr Friedrich Schreiber hat uns im gesegneten Alter von 97 Jahren am 07.12.2012 für immer verlassen. Seine ehemaligen Schüler werden ihn nicht vergessen und auch zukünftige Generationen werden von seinen unzähligen Arbeiten und Veröffentlichungen profitieren.

Wenn du traurig bist, dann schau in dein Herz
und du wirst erkennen, dass du weinst um das,
was dir Freude bereitete.
(Khalil Gibran)