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Erläuterungen zum Begriff -OPFEREI-

Quelle: Gemeinde Wenden

http://www.gswenden.de/gsw/ueber-uns/chronik-schule-in-wenden/beginn-1730/


Mit der um 1341 in Wenden vorhandenen Kirche und Pfarre war bereits eine „Opferei“ verbunden. Der den Kirchendienst versehende „Opfermann“ wurde von der Kirche aus dem ihr gehörenden Opfervermögen entlohnt. Dieses umfasste runde 13 Morgen Land, Wald und eine Wohnung für den Opfermann. Die Kirche veranlasste später, dass dieser Opfermann die Jugend des Dorfes in den Elementarfächern unterwies.

Überliefert ist, dass die Schule im Jahre 1738 aus 3 Klassen mit insgesamt 47 Schulkindern bestand, die damals noch ein Schulgeld bezahlen mussten, das der Opfermann für seinen Unterricht erhielt.
„Bey dem Ertrage des Schulgeldes, welches der Opfermann für seine Information bekommt, ist hauptsächlich zu PRAESUPPONIREN (zugrund zu legen; Anmerkung des Verfassers), dass seit dem das CORPUS BONORUM errichtet worden, die hiesige Gemeinde sich merklich vermehret habe. Ferner ist dabei zu CONSIDIREN (zu überlegen; Anmerkung des Verfassers), wie SERMUS CIRCA ANNUM 1793 in höchsten Gnaden darauf bedacht zu seyn geruhet haben, das Schulwesen auf dem Lande mittelst einer heilsamen Schulordnung auf einen beßern Fuß zu setzen als es bis dahin gewesen war, indem darinnen die Jugend befehliget ist, sowohl früher als auch fleißiger die Schule zu FREQUENTIEREN (zu besuchen; Anmerkung des Verfassers). Ob nun schon die Taxa des Schulgeldes an sich, in der fürstlichen Schulordnung wenig oder nichts von dem, was in CORP.BONOR. bestimmet ist, DIFFERIRET, so ist doch dadurch von beiden Seiten nebst dem Anwachsen der Schularbeit zugleich auch der jährige Ertrag des DIDACTRI in summa gestiegen, wie aus dem summarischen Verzeichniß des Schulgeldes, welches der Opfermann in dem jüngst verflossenen Jahre von seinen Scholaren eingenommen hat, satsam erhellet:

NOTA: die wöchentl. oder quartal. Taxa von jedem Scholaren in jeder Claßa ist dieselbe, die in der fürstlichen Schulordnung Cap. 7, §30 wörtlich bestimmet ist:

Von Michael bis Weynachten

1ste Claße bestehet aus 17 Kindern, à Kind 12 gl

2te Claße bestehet aus 16 Kindern, à Kind 9 gl

3te Claße bestehet aus 14 Kindern, à Kind 6 gl

Von Weynachten bis Ostern ist eben derselbe Ertrag

Von Ostern bis Johannis ist derselbe Ertrag

Von Johannis bis Michael

die 1ste Claße bestehet aus 17 Kindern, à Kind 3 gl

die 2te Claße bestehet aus 16 Kindern, à Kind 3 gl

die 3te Claße bestehet aus 14 Kindern, à Kind 6 gl

Solchem hat der hiesige Opfermann in dem Jahre an Schulgelde eingenommen in summa 35 Thl. 24 gl. Da nun in nächst verflossenen 3-4 Jahren der Schulcoetus in Wenden fast beständig in einerley an Zahl an Scholaren bestanden und geblieben ist, so dann das Jahr, intuitu des jährigen Schulgeldes gar füglich FUNDAMENTI LOCO dienen, dabey es jedoch außer Zweifel bleibt, dass ungewisse Einnahmen steigen und fallen können.
Wenden, 25. Februar 1783“ (ARCHIV, Wenden und Thune oeconomische und historische Nachrichten)
Der Opfermann, von dem oben die Rede war, hieß Carl August Wilhelm Clages. Das erste Schulhaus des Dorfes war ein Gebäude, in dem sowohl das Rindvieh als auch die Schüler des Opfermannes ihren Platz hatten.
Älteste Einwohner des Ortes haben überliefert, dass nicht selten der Opfermann auf dem über der Schulstube gelegenen Strohboden die Einstreu für seine Kühe schnitt, während unten die Abc-Schützen sich im Lesen und Schreiben übten und von „Höherer Warte“ aus durch Zurufe regiert wurden. Es war damals und auch später absolut üblich, dass der Schulmeister neben seinem Dienst auch einen kleinen landwirtschaftlichen Betrieb unterhielt, der ihm und den Seinen die Ernährung sicherte (selbst noch nach dem 2. Weltkrieg haben die Wendener Lehrer Söchtig, Baron und Wellner je einen Morgen Land gepachtet).
Erst ab 1851 wurde die Schule unter der Verwaltung des Kirchenvorstandes selbständig. Sie erhielt ein eigenes Vermögen aus dem Bestand der Kirchengemeinde (Schulhaus, Ländereien). Die heute selbstverständliche gesetzliche Trennung zwischen Kirche und Schule erfolgte ab 1919, der Schulvorstand (vom Gemeinderat gewählte Vertreter) war dann verantwortlich für die Belange der Schule.