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Eine Biografie über Herrn Hans Hölscher 

Hans Hölscher (1914-2001)

Pädagoge, Heimatforscher und Sportler aus Passion

Hans Hölscher wurde am 8. Mai 1914 in Mannheim geboren. Zusammen mit seiner Mutter Else Hölscher, geb. Lippold, einer Kriegerwitwe, und seiner Schwester Ilse (geb. 1907) verlebte er seine Jugendzeit in Kassel. Dort besuchte er das Gymnasium und legte 1934 das Abitur ab. Nach zweijähriger Ausbildung an der Hochschule für Lehrerbildung in Dortmund legte er 1936 seine erste Lehrerprüfung ab.

In Kassel hatte er sich einer Jugendgruppe in der Deutschen Turnerschaft angeschlossen, die ihn in seinem Entschluss bestärkte, Pädagoge zu werden. Nach einem halben Jahr als Sportlehrer leistete Hans Hölscher vom Herbst 1936 bis 1938 seinen Wehrdienst ab. Anschließend unterrichtete er an fünf verschiedenen Volksschulen im Regierungsbezirk Kassel.

Bereits am ersten Mobilmachungstag 1939 wurde Hans Hölscher eingezogen und erlebte den Frankreichfeldzug als Leutnant der Reserve. 1942 heiratete er in Kirchbrak die Tochter des Posthalters und Bürgermeisters Paul Schepelmann. Die Familienforschung hatte ihn ins Weserbergland geführt, denn seine Vorfahren stammten aus Dielmissen. Aus der Ehe mit Emmi Schepelmann (gest. 1978) gingen vier Kinder hervor: Klaus-Uwe (geb. 1943), Hannelore (geb. 1950), Jutta (geb. 1955) und Hans-Ulrich (geb. 1958).

Nach der Hochzeit im Krieg, zu der es nur einen kurzen Urlaub gab, ging es in den Russland-Feldzug. Als Oberleutnant in einer Artillerieeinheit geriet Hans Hölscher am 20. Juli 1944 in der Ukraine in Gefangenschaft. Nach verschiedenen Gefangenenlagern bei Saratow an der Wolga konnte er erst im Dezember 1949 heimkehren. So hatte er nun insgesamt zwölf Jahre Wehrdienst absolviert, jedoch alle Strapazen gesundheitlich relativ gut überstanden.

Am 1. Mai 1950 begann er in Kirchbrak seinen Volksschuldienst und unterrichtete nun 26 Jahre lang, davon 1959 bis 1976 als Schulleiter. Abgesehen vom anschaulichen und lebensnahen Fachunterricht lag ihm die musische und sportliche Erziehung seiner Schüler/innen besonders am Herzen. So fanden unter Mitwirkung der Elternschaft zahlreiche Schulfeste statt und auch die zünftigen Wandertage mit Einrichten von Feuerstellen (Abkochen) waren ein unvergessliches Erlebnis. Der Schulrat in Holzminden gab die Genehmigung für Omnibusfahrten zum Hallenbad nach Stadtoldendorf, so dass nahezu alle Kinder Frei-, Fahrten- oder sogar Jugendschwimmer wurden. Häufig absolvierten Pädagogik-Studenten aus Göttingen ihr Praktikum an der Volksschule in Kirchbrak. Dabei wurde auch ein Schmalfilm (damals noch in schwarz-weiß!) über das Voglerdorf und seine schöne Umgebung gedreht.

Wie es sich für einen vielseitig engagierten Dorfschulmeister gehörte, war Hans Hölscher in vielen Vereinen aktiv. Im Gesangverein MGV Germania war er zeitweise Vorsitzender, ebenso gehörte er dem TSV Kirchbrak als Spartenleiter für Turnen und Leichtathletik an. Er erwarb mehrfach das Goldene Sportabzeichen und nahm an den Deutschen Turnfesten in Essen, Stuttgart, Berlin und Hannover teil.

Hinzu kam die Mitgliedschaft im Kirchenvorstand, die Verwaltung des Kindergartens und die Arbeit im Pfarrarchiv. Dort beanwortete er zahllose Anfragen zur Ahnenforschung, denn er war erfahren im Lesen der Kirchenbücher. Auch Führungen durch die Kirche St. Michael gehörten zu seinem vielseitigen Programm. So gab es über Jahrzehnte eine enge Zusammenarbeit mit den in Kirchbrak tätigen Pastoren und den Patronatsherren von Grone.

Einen weiteren Schwerpunkt des Wirkens von Hans Hölscher bildete die Heimatforschung. Als Mitglied im Historischen Verein von Niedersachsen und im Heimat- und Geschichtsverein Holzminden hat er viele Artikel für den Täglichen Anzeiger in Holzminden und die DeWeZet in Hameln verfasst. In insgesamt 32 "Gelben Heften" erschienen heimatgeschichtliche Beiträge, die er bis ins hohe Alter hinein mit beeindruckender Präzision und Anschaulichkeit formulierte. Dabei handelte es sich um intensive Forschungsarbeit, die sich an den historischen Quellen orientierte. So gehörten auch selbstverständlich Reisen ins Staatsarchiv nach Wolfenbüttel zum Programm.

Fazit: Wenn Beruf und ehrenamtliche Arbeit, dienstliches und privates Engagement so harmonisch miteinander vereint sind und Kreativität freisetzen, dürfte das für Hans Hölscher und alle, die ihn kennengelernt haben und schätzten, eine echte Bereicherung gewesen sein.