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Heft 19: Kapitel 22
Der treue Schimmel


Eine Dokumentation von Herrn Hans Hölscher 


Der verarmte Landwirt Heinrich Wöhlert aus Kirchbrak hatte zu Beginn des 1.Weltkrieges nur noch ein Pferd, einen Schimmel. Seine Elfern hatten die ganzen Bauplätze rechts der Lehnstraße verkauft, um ihre Schulden zu bezahlen. Danach waren die Eltern bald gestorben, und Heinrich hatte auch immer noch keine Frau gefunden. Nur sein treues Pferd, der Schimmel, teilte mit ihm die Armut und oft auch das Frühstück, wenn es überhaupt eins gab.

Bei Kriegsausbruch wurde der Hafer beschlagnahmt und Heinrich Wöhlert wurde aufs Gut dienstverpflichtet. So mußte der Schimmel an einen Bauern in Hehlen verkauft werden. Heinrich brachte seinen treuen Kameraden zu seinem neuen Herrn an eine gute Futterkrippe. Auf dem Weg dorthin mußten sich die beiden bei Kemnade mit der Fähre über die Weser setzen lassen. Der Schimmel hatte sich den Weg genau gemerkt. Eines Nachts aber überwältigt ihn das Heimweh. Er reißt sich von der Krippe los und trabt bei hellem Mondenschein auf die Fähre bei Kemnade zu. Der Fährmann in seinem Bett erwacht durch das laute Pferdegetrappel. Da sieht er durch das Fenster, wie der Schimmel die am Ufer festgemachte Fähre betritt und darauf wartet, daß sie sich auf die andere Seite bewegen soll. Nach vergeblichen Warten springt der Schimmel plötzlich in die Weser, um hinüber zu schwimmen. Dabei hat er sich aber den Hals gebrochen, denn am nächsten Tag wird er bei Hehlen tot an Land gezogen.

Pferdekenner glauben, daß sich die Tiere so an die Menschen gewöhnen, daß ihre Treue nie aufhört.