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Heft 19: Kapitel 2
Hund und Schinken


Eine Dokumentation von Herrn Hans Hölscher 


Es war vor dem Ersten Weltkrieg. Der graute Theo diente bei den Zweiundneunzigern, und August aus Westerbrak bei den Husaren in Braunschweig. Wilhelm war bei der Artillerie in Wolfenbüttel und Karl kam zum Landstürm nach Braunschweig. Nach dem Krieg kamen sie alle wieder gesund nach Haus.

Nach Jahren beschlossen sie, mit ihren Kriegskameraden in Braunschweig ein Wiedersehn zu feiern. So geschah es dann auch,und der Tag ging rasch dahin. Mit dem letzten Zuge wollten sie wieder heim nach Kirchbrak fahren. Da bekamen sie zum Abschied vom Wirt ihrer Stammkneipe noch den Hund "Molli"geschenkt. Der Wirt besorgte ihnen dafür einen Koffer, und dann konnte die Heimreise losgehen. Es war die höchste Zeit, daß sie auf den Bahnhof kamen."Geht schon zu", sagte der Große, der den Koffer hatte, "ich hole die Fahrkarten." Da war ein großes Gedränge am Schalter und da stand Koffer an Koffer. Als endlich der Große die Fahrkarten hatte, schnappte er sich den Koffer und erwischte noch gerade den Zug. Er stellte den Koffer in das Netz; alle waren zufrieden, war doch der Tag so schön gewesen. Und der Hund war so ein braves Tier; er meldete sich noch nicht einmal. Auch in Vorwohle auf dem Bahnhof ließ er nichts von sich hören."So ein ordentlicher Hund", meinten alle vier.

In Kirchbrak angekommen, hatten sie nichts eiligeres zu tun, als den Koffer zu öffnen und Molli in Empfang zu nehmen. Aber da machten alle vier große Augen, denn der Hund war nicht darin, aber ein großer Schweineschinken lag in dem Koffer."Na niu, wat is denn dat?"guckten sie sich an. Der Koffer war im Gedränge verwechseit worden. Nun brauchten sie nicht mehr zu losen, wer den den Hund bekommen sollte. Von Spechts wurde schnell eine Pulle Schluck geholt, und dann fielen sie über den Schinken her, daß nur noch die Knochen über blieben.

Das war die Reise wert gewesen.