Startseite   Home   Chronik   Gelbe Hefte   zurück St.Michael


Heft 18: Kapitel 10
Merkwürdiges und Nachdenkliches aus dem Kirchenbuch


Eine Dokumentation von Herrn Hans Hölscher 


Am Sonntage nach dem Christtage hat Ilsabe Hasenjäger, Jacob Krassebers eheliche Hausfrau zu Brach, des Pfarrherrn Ehren Caspar Hasenjägers Tochter ein wunderseltsam Kindt zur Welt gezeuget undt geboren, ist ein Knabe, hat einen langen spitzen Kopf, ein Auge, ein Ohr, ein eintzig Handt, der Mundt uf der Seiten des Haubtes, der eine Fuß stehet ab, der andere sehr spitz zu. In Summa ist es eine solche Geburt, darüber menniglichen die Haar mügen zu Berge stehen. Gott warnet fast aber wir singen: pax et securitas (Friede und Sicherheit). Das Kindtlein ist am selbigen Tage durch Curd Vriethof, Pferrherr zu Dielmissen, getauffet worden. Gott hat es den 8.Februarii aus dieser elenden Welt zu sich in die Ewigkeit geforderet.
----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Den 14.Juli zu 8 Uhr früh entschlefet sanft im Herren der weilandt würdige und wohlgelehrte Caspar Hasenjäger, Pastor zu Kirchbrach, nachdem er die Gemeinde daselbst mit dem gödtlichen Worte über die 30 Jahr versorget, verleßet hinter sich aus der ersten Ehe 4 Kinder, aus der andern Ehe 6 Kinder, sein klein undt unmündige. Gotte wolle ihnen Vater und der Witwen Richter sein. Am folgenden Freitage wird die Leiche ehrlich bestattet und in der Kirche daselbt begraben (Von ihm schreibt ein Amtsnachfolger später in einer Bittschrift an den Herzog: Ich muß derowegen auß höchst dringender Not bitten, damit es mihr im hohen Alter nicht ergehet, wie es einem meiner Vorgänger ergangen, welcher in 33 Jahren hier nicht soviel hat ersparen können, daß er in seinem Todt ein Hembt, damit der verblichene Cörper hätte bekleidet werden können, gehabt.
----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Künnecke, Kurt Hermanns Frau, welche sich dem Trunke gänzlich ergeben, geht nach Bodenwerder den 31.Oktober, säufet sich voll Broyhan (Bier), und da sie dann unterwegen weiter gangen, fällt sie bei Jacob Rumen Haus zu Linse vom Steg (Lennebrücke) und versäufet. Wird begraben den 2.November. Text der Leichenpredigt: Jesaja 5,Vers 11 (Wehe denen,die des Morgens früh auf sind, dem Saufen nachzugehen und sitzen bis in die Nacht, daß sie der Wein erhitzet). Da hatte der Pastor den passenden Bibelvers gefunden.
----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Den 18.Oktober kommt Trine Margarete, Sehl. Stephans Witwe von Kirchbrak, eine leichtfertige Hure, nach Wegensen, wo sie daselbst nach ihres Mannes Tod los Nachtlager gehalten, gehet in den Garten unter eine Eiche, läßt die Wirtin kommen und bittet sie, eine Hebamme holen zu lassen, welches dann auch geschieht, und bekommt sie also unter der Eiche einen jungen Sohn. Dieses Kind folgenden Sonntag getauffet. (Als Hure wurde damals, anders als heute, jede "Weibesperson" bezeichnet, die ein nichteheliches Kind bekam.) Es folgen die Namen von 6 Gevattern. (Während es bei ehelichen Geburten meistens 2-3 Paten sind, wird bei nichtehelichen Geburten oft eine zwei- oder dreifache Anzahl Paten aufgeführt.)
----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Bei einer Kirchenvisitation 1647 verzehrt:

fl

gr

Pf

1 Tonne Broyhan (Bier)

4

4

--

12 Pfd. Schweinefleisch

1

4

--

10 Pfd. Rindfleisch

12

4

Fische

12

--

Würste

2

--

2 Pfd. Butter 8 --
Brot 13 --
Gewürz 2 --
(nicht zu entziffern) 5 --
1 1/2 Pfd. Käse 3 10
Lichter 3 --
Branntwein 9 --
Salz und Sauer 2 --
der Köchin 4 --
--- ----- ----
5 83 14
umgerechnet 9 4 2

1 fl (Florin=Gulden) = 20 gr (Groschen) 1 gr = 12 Pf.

(Wieviel Personen daran teilgenommen haben, ist nicht überliefert).
---------------------------------------------------------------------------
Den 15.Februar 1667 der Schulmeister Johann Birman zu Kirchbrak begraben worden, alt 67 Jahr. Undt weil er so ein aufrichtiger frater (Bruder) und redlicher Mann gewesen, so fleißig in Kirche und Schule gearbeitet, so ist er nicht allein von männiglicher. auch der Kinder hertzlich beweinet und betrauret worden, denn es hat ihn die ganze Gemeinde mit einer solchen comitat (Begleitung) zum Grabe begleitet. also niemahlen ist gesehen worden.Er hat der Kirche und Schule gedient 25 Jahr.(Diesem Nachruf zufolge muß er sich mit dem Pastor gut vertragen haben. Das war nicht immer so.)
----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Den 24.0ctober 1784 Sonntag morgens früh um 9 Uhr ist August Adolph Dormeyer,Schulmeister in Kirchbrak von Alter und Entkräftung verstorben und am 29.ejusd.des Morgens früh in der Stille beerdigt.Er hat im Jahr 1714 das Licht der Welt erblicket und ist seit 1736 in Kirchbrak Schulmeister gewesen. Er hat vier Frauens gehabt, von welchen ihn die letzte, Henriette Dorothee,geborene Rentsch überlebt. Nur von der ersten und zweiten hat er Kinder gehabt. Noch den Sonnabend vorher, den Tag vor seinem Tode, hat er seine Schulkinder im Bette unterrichtet, wie er denn 48 Jahr ein treuer Schulmeister gewesen und überhaupt auf dieser Welt sein Lebens Alter gebracht hat auf 7o Jahr. (48 Dienstjahre! Das schafft heute kein Lehrer mehr.)
----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Den 19.Juni 1781, mittags zwischen 1 u.2 Uhr ist der hiesige Krüger in Kirchbrak (Oberer Krug) Johann Christoph Heipke unglücklicher und unvorsichtiger Weise erschossen, und den 21. ejusdem morgens um 5 Uhr in der Stille beerdiget. Er hatte eine alte Büchse laden und sie nach einer kleinen selbst gemachten Scheibe probieren wollen. Unglücklicher und unbedachtsamer Weise geht aber das alte Gewehr loß, und die Kugel, womit es geladen, geht sogleich durch das Herz hindurch und unter dem rechten Arm wieder heraus. Dieser unglückliche Schuß wirft ihn auch sogleich ohne die geringste Empfindung rücklings um, und er war auch sogleich völlig todt, und wurde dieser unglückliche Vorfall, sobald er geschehen, an Fürstl. Amt Wickensen gemeldet und noch des nämlichen Tages von dem Herrn Justizamtmann Rudolphi gerichtlich und am anderen Morgen von Herrn Land-Physikus Apfel und einem Chirurgen physikalisch und medicinisch untersucht. Der Verstorbene hat 44 Jahr gelebt, und seine hinterlaßene Witwe nebst fünf Kindern ist noch am Leben.
-----------------------------------------------------------------------
Mit diesem Schuß endet auch der Streifzug durch die alten Kirchenbücher.