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Heft 18: Kapitel 8
Der verlorene Sohn (1777)


Eine Dokumentation von Herrn Hans Hölscher 


Probleme und Auseinandersetzungen zwischen jung und alt hat es auch schon vor 200 Jahren gegeben Da richtet ein betrübter Schulmeister aus Avendshausen (bei Einbeck) folgendes Schreiben an das Amt in Wickensen:

"Da unser Sohn Otto Ludwig Berlin durch den Schulmeister zu Westerhof, seinem Bruder, uns kund werden lassen, daß er mit einer Frauens Persohn zu Braak (Kirchbrak) eingelaßen und ein Schand-Deckel sein will und dazu unsern Consens (Zustimmung) verlanget. Da nun, wie es im Sprichwort heißt, "geschehende Dinge nicht zu ändern stehen", so kann unser Sohn, da er seinen eigenen Willen gefolget, zwar machen, was er will. Wir aber, seine Eltern beyderseyts, sind dieser Aufführung halber, gegen ihn lebendig todt. Gott gebe aber, daß er, unser Sohn, möge wieder aufwachen und lebend werden.
Avendshausen, d. 19. Juni 1777
Joh. Died. Berlin
Schulmeister"

Das sind harte Worte eines Vaters, der wegen seines Berufes sich verpflichtet fühlte, so streng zu urteilen. Der "mißratene" Sohn hat dann nach der Geburt seines "vorehelichen Sohnes Henrich Christoph die "Frauensperson" Maria Catharina Bartens aus Heinade geheiratet. Nachdem er vorher Hannöverscher Soldat gewesen war, hat er sich als geachteter und ehrsamer Schneidermeister niedergelassen. Er wohnte im Haus ass.Nr.12, das jetzt nicht mehr vorhanden ist (im Garten vor dem Gasthaus Jütte).

Man weiß es zwar nicht, aber es ist zu hoffen, daß der schwergeprüfte Vater (1779 bekam seine Tochter ebenfalls eine nichteheliches Kind) nach dem nächsten "standesgemäß" geborenen Kind sich mit den jungen Leuten ausgesöhnt hat.