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Heft 18: Kapitel 6
Von Kindtaufen in alten Zeiten (1727)


Eine Dokumentation von Herrn Hans Hölscher 


"Am 30. April 1727 ist Heinrich Meyers Töchterlein zwischen Breitenkamp und hier von der Bademutter, weil es die Noth erfordet, bei der Bache getauft und Lucia genant worden. Deßen Gevatterin gewesen Erich Gömanns Ehefrau."

Aus dem Taufregister 1727 und 1728Ähnliche Eintragungen kann man öfter in den Kirchenbüchern finden. Man nahm es in alten Zeiten mit der Taufe genauer als heute. Normalerweise wurde ein Kind spätestens 3 Tage nach der Geburt getauft. Wenn ein Neugeborenes nur noch schwache Lebenszeichen von sich gab, wurde schnell eine Nottaufe vorgenommen, notfalls an einem Bach, wenn die Bademutter oft im Laufschritt von den Außendörfern zum Pfarrhaus eilte. Bei der großen Kindersterblichkeit kam das oft vor. War der Pastor nicht erreichbar, nahm der Schulmeister, meist aber die Bademutter, die Nottaufe vor. Eine Taufeintragung schließt: "aber in dem Moment, als das Kind aus der Taufe getragen worden, ist es verschieden." Es war ein Trost für die Eltern daß ihr Kind nicht ungetauft in die Ewigkeit eingegangen war, eine Auffassung, die damals die Wichtigkeit der Taufe mehr betonte als jetzt. Auch heute kann, was nicht alle wissen, ein jeder Christ im Notfalle die Nottaufe vollziehen. Die Anweisung dazu steht im Gesangbuch auf Seite 752.

Eine andere Eintragung im Geburtsregister von 1728 schließt: "Dies ist das erste Kind, welches an dem Taufengel, nachdem derselbe 5 Tage vorher, nämlich Dominica 4.post Trinitatis (20.Juni) nebst der neuen Cantzel von mir ist eingeweihet worden, getauft ist."

Im Corpus bonorum (Güterverzeichnis) der Kirche von 1751 findet man mehr über den Taufengel: "ein an einer Stangenkette gerade vor dem Altar hängender hölzerner Taufengel, der das Taufgefäß in der Hand hält." (gestiftet von dem Herrn Geheimen Legationsrat v. Grone Westerbrak). Irgendwann ist dieser Taufengel dem Zahn der Zeit zum Opfer gefallen; heute ist nur noch ein Bruchstück vom Flügel vorhanden, das vor Jahren auf dem Dachboden der Kirche gefunden wurde.