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Heft 18: Kapitel 1
Ein Mord in Kirchbrak (1593)


Eine Dokumentation von Herrn Hans Hölscher 


Der Pastor Steinacker (1777-1793) erwähnt in der Ortsbeschreibung von Kirchbrak einen Kreuzstein. "Ein Stein, der die Form eines Kreuzes hat, steht hier in Kirchbrak auf dem Tiebrink, wo die Bauern gewöhnlich zusammen kommen. Dieser Stein hat eine sehr traurige Geschichte zum Grund." Aufschluß darüber gibt ein Gedenkstein in der Kirche mit der Inschrift: "Anno 1593 den 16.Februarii ist der edle und ernveste Johan von Grone den Abent um 9 Uhr von Otto von Kampen den Mörder beslicherweie erschossen. Der Seelen Gott gnedig sei." Pastor Steinacker weiter:"Zum Andenken dieser schwarzen That ist auf der Stelle, wo der Mord geschehen, dieser Stein in Form eines Kreuzes errichtet worden." Diese Tat hat damals viel Aufsehen erregt, sodaß der Superintendent Jovius in Halle im Kirchenbuch folgende Eintragung machte:

"Den 1.Februarii freytagks vor Sexagesimae zu abent zwischen achten undt neun Uhr Ao. 93 wird der Edle undt Ehrenveste Johann von Grone zu Brach in Eylerdt Niehofs hause von dem godtlosen Buben Otto von Campe, seinem eigen Schwager, mordlicher weise erschoßen, des ehr zu selbigen stundt Gott seine Seel aufgeopfert undt daselbst Todt blieben. Der ehrliche Mann Eylerdt, da er den Unmut vermerkt, gehet ehr mit seinem weibe zu bette und leßet seine Junker nach Ihres gefallen mit einander gebaren, gar ehrlich und eiJahann von Grone, böslich ermordetnem wirte wohl anstehend stück. Die leich wirdt am 20.Februar Diestagk vor Matthias Christlich zur erdte bestattet. Gott verleihe Ihm eine fröliche Uferstehung undt uns ein seliges stündlein undt behüte uns ja vor einem plötzlichen Todte, Amen: (späterer Nachtrag:) Otto von Kamp bleibet Ao.95 vor den Türcken."

In einem Brief der Anna von Campe, der Witwe Ottos v.Campe schreibt sie 1597:
"...indem der leidige Teufel als ein friedhassiger Feind zwischen dem edlen Johann v.Grone und meinem seligen Junker allerhand Gezänk und mißgünstigen Unwillen erregt. Darüber sie denn zu Kirchbrak im Kruge miteinander in Schlägerei gekommen, daß der edle Johann v.Grone von meinem geliebten Ehemann leider, Gott sei es geklagt, erbärmlich ist entleibet worden.
Darüber mein geliebter seliger Junker das Weiteste nahm und ganz im Elend herumwallen müssen, bis er sich gegen den grausamen Erbfeind, den Türken, hat bestellen lassen.
Deswegen er sich in zwei unterschiedlichen Zügen ganz ritterlich gehalten, bis er endlich vor zwei Jahren daselbst dies zeitliche Jammental mit einem seligen Abschied gesegnet hat."

Der Mord geschah im Unteren Kruge (früherer Othmerscher Hof, jetzt Brunnarius). Der Tiebrink ist der Platz etwa vor der Einfahrt zum Unterhof (jetzt Voglerhof). Der Kreuzstein ist nicht mehr vorhanden, oder er ist vielleicht beim Bau des Schlachthauses der Schlachterei Specht mit vermauert worden. Nach Aussage von Frau Marth Bleckmann kann sie sich noch an einen großen Stein im Kohlenkeller der Obergschen Schmiede erinnern. Darauf sei ein Kreuz und einige Buchstaben zu erkennen gewesen. Danach habe der Stein längere Zeit bis nach dem 1. Weltkrieg vor ihrem Hause gelegen und das Interesse eines Schneidermeisters Meier (Buchhagen?) erweckt. Der habe des öfteren versucht, die Inschrift zu entziffern. Es sei ihm aber nicht gelungen. Nach dem Bau des Schlachthauses war der Stein verschwunden. Es ist anzunehmen, daß er beim Bau des Schlachthauses verwendet wurde.

Nach Johann von Grones plötzlichen Ableben aus seinem nicht gerade tugendhaften Leben hat sich die Sage seiner bemächtigt. Er soll des Nachts zwischen 12 und 1 ruhelos an der Kirche umherirren in der Hoffnung, daß ihn ein unschuldiges Mädchen mit einem Kuß erlösen möge.