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Heft 16: Kapitel 1
Das Wickenser Erbregister


Eine Dokumentation von Herrn Hans Hölscher 


KIRCHBRAK in den Aufzeichnungen des Wickenser Erbregisters von 1545 und 158o.

Die Geschichte der Höfe.

Die Erbregister der braunschweigischen Ämter aus dem 16. und 17. Jahrhundert sind neben den Kirchenbüchern, die erst nach der Reformation, zeitlich sehr unterschiedlich, geführt wurden, eine wichtige Quelle für die Heimatforschung. Auf Anordnung der herzoglichen Verwaltung in Wolfenbüttel mußte der Amtmann in Wickensen, zu dessen Amt damals Kirchbrak gehörte, die Rechts- und Besitz erhältnisse der Höfe durch den Amtsschreiber festhalten lassen. Dazu gehörten neben der Einordnung in eine Bauernklasse (zum B. Klein- oder Großköther) der Name des Eigentümers, die Größe des bewirtschafteten Landes in Hufen und Morgen, die Grundherren (in Kirchbrak der Herzog oder die Herren von Grone), die Höhe der Abgaben und der Umfang der verschiedenen Dienste, die jeweils im Text der Erbregister aufgezählt werden. Das von den Bauern bewirtschaftete Land gehörte nicht den Kirchbrakern, sondern war ihnen von den von Grone oder von einigen vermögenden Einwohnern Bodenwerders gegen Zins zur Nutzung überlassen.

An der Spitze des Amts stand der Amtmann, ein vom Herzog eingesetzter Beamter, dessen wesentlichste Aufgabe es war, die lnteressen des Herzogs wahrzunehmen. Daher kamen die vielen Streitigkeiten mit den Herren von Grone. Da ging es vor allem um die Hägergerichtsbarkeit, die Braugerechtigkeit, den Bierverkauf und um Einnahmen der unteren Gerichtsbarkeit, alles Geldquellen, auf die der Adel nicht verzichten mochte. Die Namensangaben in den Erbregistern sind nicht immer zuverlässig und deshalb mit gewisser Vorsicht zu genießen. Die Schreiber scheinen manchmal beim Erstellen der neuen Register teilweise die vorherigen abgeschrieben zu haben. In dem Register von 1625 wird der Kirchbraker Pastor Hasen Jäger noch aufgeführt, der aber bereits im Jahre 1597 verstorben ist. Daß 45 Jahre danach der gleiche Name als Hofbewirtschafter auftaucht, ist zwar möglich, erweckt aber oft den Anschein des Abschreibens.

Mehr Wert als auf den Namen wurde aber auf den Besitz, die Lasten und die Abgaben und die Dienste gelegt. Daran waren das Amt und der Herzog in Wolfenbüttel interessiert. In den Registern erscheinen nur die zur Abgabe pflichtigen Höfe, also nicht die Häuslinge, Knechte und Mägde, die Bediensteten auf den Adelshöfen und auch natürlich die Adelshöfe selber.

Das Amt Wickensen umfaßte in etwa die alte Herrschaft Homburg, die nach dem Aussterben ihres Mannesstammes 14o9 an das Herzogtum Braunschweig gefallen war. Das Amt Wickensen gliederte sich in die Obere und Untere Börde. (s.Auszüge in der Beschreibung des Amts Wickensen 158o)