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Heft 08: Kapitel 12
Ein Jahrzehnt fruchtbarer Arbeit


Eine Dokumentation von Herrn Hans Hölscher 


Im August 1965 fand wieder ein Lehrerwechsel statt. Kollege Lötzsch verließ auf eigenen Wunsch Kirchbrak und ließ sich nach Wertheim am Main versetzen, um dort mit einem. alten Freundeskreis wieder zusammenzutreffen. Sein Weggang war ein spürbarer Verlust für die Schule. Er war ein liebenswerter Kollege und dazu ein befähigter Pädago­ge, der sich vor allem um die Einführung des Werkunterrichts große Verdienste erworben hatte. An seine Stelle trat der a.p. Lehrer Klaus-Dieter Schmidt. Er war 1961 aus der DDR gekommen und hatte von 1962 bis 1965 an der PH Osnabrück studiert. Nachdem er kurz vorher geheiratet hatte, trat er mit großem Eifer und viel pädagogischen Geschick seine erste Stelle an. Mit Fräulein Berndt und Herrn Schmidt begann eine Zeit äußerst erfolgreicher Schularbeit. Fräulein Berndt übernahm von der Familie Lötzsch den Flötenchor, und Herr Schmidt führte nahtlos den Werkunterricht weiter, den Herr Lötzsch so erfolgreich angefangen hatte. Der Englischunterricht in der Oberstufe, den Schulleiter Hölscher 1965 begonnen hatte, wurde aber nur bis März 1967 durchgeführt. Die Ausstellungen, die ein- bis zweimal im Jahr die Leistungen im Kunst-, Werk- und Handar­beitsunterricht dokumentierten, erfreuten sich bei der Bevölkerung großer Beliebtheit und wurden gut besucht. Diese Ausstellungen wurden von dem Dreigespann Berndt, Schmidt und Steffen sorgfältig vorbereitet und durchgeführt. Frau Steffen hatte 1954 den Handarbeitsunterricht  von Frau Bleckmann übernommen , und sie leitete ihn gewissenhaft und den Anforderungen eines modernen Unterrichts gemäß bis Dezember 1971. Dieser pflichtgetreuen  Mitarbeiterin  hat  die Schule Kirchbrak viel zu verdanken. Neben den alljährlichen Schulfesten wurde eine Veranstaltung im Jahre zu einem Höhepunkt des Schuljahres. Es war das Preiskochen der Oberstufe im Melkenborn unterhalb des Ebersnackens im Vogler. Vier bis fünf Kinder, Jungen und Mädchen, bildeten eine Kochgruppe, die auf aus Steinen selbstgebauten Kochstellen eine Mahlzeit nach Belieben zubereiteten. Bewertet wurde nach drei Gesichtspunkten: Ofenbau, Schwierigkeit und Schmackhaftigkeit des Gerichts. Die Wertung von sieben bis acht Gruppen war für den Preisrichter (Schulleiter) oft eine erhebliche Belastungsprobe seiner Verdauungsorgane. Man kann sich kaum vorstellen, mit welcher  Freude und Ausgelassenheit die Kinder an die Bewältigung dieser außergewöhnlichen Aufgaben herangingen. Am Nachmittag fand dann die mit Spannung erwartete Preisverteilung statt. Dazu fanden sich oft die anderen Kollegen und ein Teil der Elternschaft ein. Zur Erinnerung wurde dieses Ereignis in Dias und einmal sogar im Film festgehalten. Der Platz im Melkenborn wurde der Schule von Herrn von Grone, Westerbrak, entgegenkommenderweise in der Gewißheit zur Verfügung gestellt, daß bei den Feuerstellen größte Vorsicht geübt wurde.

Auch bei anderen Gelegenheiten zeigte die Familie von Grone, Westerbrak, freundliches Entgegenkommen, wenn sie bei Fahrten zu Schul- oder Sportveranstaltungen ihren Kleinbus der Fahrkunst des Schulleiters anvertrauten. Frau Nadia von Grone war jahrelang Vorsitzende des Schulelternrates. Sie setzte sich erfolgreich für den Bestand der Schule ein. Bei vielen Schulfesten wirkte sie persönlich mit. Unvergeßlich wird bleiben, als sie als Zigeunerin gekleidet beim Schulfest die Drehorgel spielte und dabei einen namhaften Geldbetrag für die Schule sammelte.

Als einfach unentbehrlich erwies sich auch der Hausmeister Rudi Hermann. Mit viel handwerklichem Geschick und unermüdlichem Fleiß kümmerte er sich von 1967 an um Haus und Hof und erledigte alle anfallenden Arbeiten zur allgemeinen Zufriedenheit. Er ging 1984 in den wohlverdienten Ruhestand. Von den guten Geistern, die für die Sauberkeit der Schule sorgten, sollen zwei stellvertretend genannt werden. Es waren von 1960 bis 1985 Frau Johanne Meier aus Westerbrak, und von 1966 bis 1990 Frau Maria Golla aus Kirchbrak .

Zwei Kirchbraker Pastoren, Erich Schwerdtner und Wolfgang Mandt erteilten bis zu ihrer Pensionierung, bzw. Versetzung einige Jahre den evangelischen Religionsunterricht.

Leider schlug mitten in dieser Zeit erfreulichen Schaffens wieder eine Abschiedsstunde für eine beliebte Lehrkraft. Christa Berndt verließ auf eigenen Wunsch die Schule und den Ort, wo ihr Großvater 30 Jahre als Pastor gewirkt hatte. Sie ging nach Göttingen, um dort ihre Wünsche zu ihrer Weiterbildung besser verwirklichen zu können. In einer Abschiedsfeier dirigierte sie zum letzten Male ihren geliebten Flötenchor, und Schulleiter Hölscher würdigte die fünf Jahre ihrer Tätigkeit, die besonders von Musikalität und Sinn für musisches Leben gekennzeichnet waren. Es war zugleich auch der Abschied zweier Studentinnen, Gabriele Schütze und Roswitha von Einem von der PH Göttingen, die damit ihr Praktikum beendeten.

Erfreulicherweise konnte der Schulleiter auch die Nachfolgerin Frau Polzer der Gemeinde vorstellen. Frau Polzer war verheiratet und den Kirchbrakern nicht unbekannt, da sie einige Jahre ihrer Jugendzeit in Kirchbrak gelebt hatte. Sie hatte vorher in der Schule in Halle unterrichtet.

Im Mai 1968 erhielt die Schule einen interessanten Besuch. Pepi Bader, Olympiasieger (Silbermedaille) im Zweierbob in Grenoble stand den hochinteressierten Schulkindern Rede und Antwort und gab fleißig Autogramme. Pepi Bader war einer Einladung des Schulleiters Hölscher, der mit ihm verwandt. ist, gefolgt und aus seiner Heimat Grainau, am Fuße der Zugspitze, zur Freude und Begeisterung der Schuljugend nach Kirchbrak gekommen. Ein Foto, zusammen mit den beiden Bundesjugendspiel-Siegern Carla Meier und Edwin Heinemeier, und ein Tonband erinnert noch heute an dieses "olympische Ereignis".

Im Juni 1969 trat dann ein, womit zu rechnen war. Die Schule in Breitenkamp wurde wegen zu geringer Kinderzahl aufgelöst, und der Kollege Friedrich Schreiber wurde mit den Kindern am 26.9. der Schule Kirchbrak zugewiesen. Damit war die Zahl der Kollegen wie in früheren Zeiten wieder auf vier angestiegen. Friedrich Schreiber war seit 1951 Lehrer an der einklassigen Schule Breitenkamp gewesen. Schulleiter Hölscher schätzte sich glücklich, so einen erfahrenen und bewährten Kollegen zu bekommen.Dazu kamen noch gleiche Interessen an der heimatlichen Geschichte. So wurde das kollegiale Verhältnis zu einer Freundschaft, die heute noch anhält.

Im Dezember 1971 löste Frau Hanna Schreiber Frau Steffen ab, die aus gesundheitlichen Gründen den Handarbeitsunterricht abgab. Frau Schreiber war dann noch bis Ende Juli 1989 im Handarbeits-, Kunst­ und Turnunterricht teilbeschäftigt. Sie setzte ihre Fähigkeiten bei vielen Ausstellungen ein und war bei den Kindern durch ihr freundliches Wesen sehr beliebt.

Im August 1972 verließ der Kollege Schmidt Kirchbrak, um in Bodenwerder seinen beruflichen Wunsch (Realschullehrer) verwirklichen zu können. Seit einiger Zeit hatte er deswegen in Braunschweig Kurse in Biologie und Mathematik belegt. Inzwischen hat er seit Jahren sein Ziel erreicht und unterrichtet als Realschullehrer in Bodenwerder. Kirchbrak ließ ihn nur ungern gehen, und Herr Schmidt denkt noch oft an die gute Zeit in Kirchbrak zurück.

Ein langgehegter Wunsch Kirchbraks ging im November 1972 in Erfüllung. Eine zweckentsprechende Turnhalle mit allen nötigen Nebenräumen wurde auf dem Gelände hinter der Schule fertiggestellt. Im Sommer 1976 stand dann nach langer Bauzeit ein mit allen Nebenanlagen, wie Laufbahnen und Sprunggruben, ausgestatteter Sportplatz der Schule zur Verfügung.

Die Regierung hatte 1974 einen Schulentwicklungsplan erstellt, der unter anderen auch die Existenz der Kirchbraker Schule in Frage stellte. Aus diesem Grunde fand im Februar 1974 in der Pausenhalle der Schule eine Bürgerversammlung statt, an der der Schulrat Karl, der Samtgemeindebürgermeister Diesing, der Samtgemeindedirektor Hansmann, der Vorsitzende des Samtgemeinde-Schulausschusses Gömann/Hohe und die Mitglieder des Gemeinde- und Elternrates teilnahmen. Der Schulrat vertrat verständlicherweise den Standpunkt der Regierung, bestritt aber nicht das Recht der Gemeinde, gegen die betreffende Verfügung zu Felde zu ziehen. Bürgermeister Artur Brennecke leitete die sich anschließende hitzige Diskussion. Die Samtgemeinde ließ die Frage des Fortbestandes der Schule noch offen und behielt sich eine eingehende Auseinandersetzung mit den Problemen vor. Das Ergebnis eines zähen Kampfes in den folgenden Jahren war, daß die Schule zwar nicht in ihrem bisherigen Umfang, sondern als Grundschule mit den ersten vier Jahrgängen bestand. So blieb dank des unermüdlichen, zielbewußten und tatkräftigen Einsatzes der Elternschaft und der Gemeinde Kirchbrak das Schicksal vieler kleiner Landschulen erspart. Die Gemeinde Dielmissen stand eines Tages, sehr zum Leidwesen ihrer Elternschaft, ohne Schule da.

Pfingsten 1974 fand in der Schule eine Ausstellung statt, die weithin große Beachtung fand. "Unsere Heimat im Bild" war eine Ausstellung von Bildern des Kunstmalers Josef Wenzel. Seine Werke in Tempera und Ölfarbe vermittelten  einen aufschlußreichen Eindruck vom Schaffen dieses sympathischen Künstlers, der 1985 im Alter von 87 Jahren starb. Frau Agnes von Grone, Westerbrak, eröffnete diese Ausstellung in ihrer ihr eigenen eindrucksvollen Weise.

Am 14.Juni 1974 wurde in einer kleinen Feierstunde Schulleiter Hölscher für eine 40jährige "ehrenvolle" (laut Urkunde) Dienstzeit geehrt, und am 31.Juli 1976 ging er in den Ruhestand, nachdem er 26 Jahre an der Schule gewirkt hatte. Damals versprach er, als Dank für die gute Zusammenarbeit mit der Gemeinde, die Geschichte der Schule zu schreiben. Dieses Versprechen erfüllt er hiermit.