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Heft 08: Kapitel 9
In neuen Räumen mit neuem Ärger


Eine Dokumentation von Herrn Hans Hölscher 


Nachzutragen ist noch ein Kapitel, das endlich einen Schlußstrich unter unerfreuliche Auseinandersetzungen zwischen Hauptlehrer Meyer und der Gemeinde zog. Anlaß war der Abschluß der Schulspeisung Anfang 1950. Trotz des Versuches, dem verantwortlichen Herrn Meyer Unregelmäßigkeiten nachzuweisen, wurde ihm doch einstimmig durch den Schulspeisungsausschuß Entlastung erteilt. Damit war dieses unerfreuliche Kapitel endgültig abgeschlossen.

Im Frühjahr 1953 räumte Lehrer a.D. Voges endlich die Dienstwohnung und zog nach Wolfenbüttel. Damit war ein Anlaß zu ständigen Zwistigkeiten entfallen.

Aber ein Fall (im wahrsten Sinne des Wortes) sorgte für neue Aufregung. Im Januar 1954, ein halbes Jahr nach der Einweihung, fielen zwei große Stücke des Deckenputzes in Herrn Meyers Klasse herunter. Es wurde niemand verletzt, aber der Klassenraum fiel bis zum 15.Februar aus. Im Anschluß daran wurden an den Baumeister Köhler wegen verschiedener Beanstandungen Forderungen gestellt, die dann in einem langandauernden Prozeß endeten. Ein Jahr später traten wieder Risse in Decke und Wänden auf, und wieder fielen große Stücke Putz herunter. Es waren nicht die vorgeschriebenen Platten verwendet worden. Von Anfang Juli bis Ende Oktober konnten die Räume wegen des Einbaues neuer Decken nicht benutzt werden.

Die ohnehin angespannte Situation verschlimmerte sich noch durch die Erkrankung Herrn Meyers, der von Juli bis Oktober nicht unterrichten konnte.

Aber all das war noch nicht des Unheils genug. Im August 1955 wütete ein furchtbares Unwetter über dem Lennetal. Durch die Überschwemmung wurde vor allem in der Firma Müller u. Co. großer Schaden angerichtet. Frau Bertha Müller ertrank in den reißenden Fluten der Lenne und wurde erst am nächsten Tag bei Westerbrak aufgefunden.

Im selben Monat legte Fräulein Engelhardt ihre 2. Prüfung ab und wurde als Lehrerin fest angestellt. Der immer noch andauernde Prozeß mit der Firma Köhler wirkte sich nachteilig auf den geplanten zweiten Bauabschnitt der Schule aus, so daß sich die Lehrerschaft weiterhin gedulden mußte. Für die ausscheidende Frau Bleckmann übernahm Frau Steffen im Frühjahr 1954 den Handarbeitsunterricht und leitete ihn bis 1971. In vielen Ausstellungen, die Jahr für Jahr stattfanden, bewies sie ihre Fähigkeiten und ihr großes unterrichtliches Geschick.

Im September 1956 wurde die Lehrerin Lucia Engelhardt nach Plantlünne, Kreis Lingen, versetzt. Ihre Nachfolgerin war Susanne Wenzel, die in die Nähe ihrer Eltern in Salzderhelden wollte. Ihr Vater war der Kunstmaler Joseph Wenzel, dessen Bilder in vielen Wohnungen Kirchbraks zu finden sind. Im April heiratete Fräulein Wenzel und hieß nun Frau Müller. Fräulein Engelhardt, jetzt Frau Rensmann, kommt noch des öfteren nach Kirchbrak und besucht die Familie Fritz Jänicke im Grasweg, wo sie damals wohnte.

In Anbetracht der gesunkenen Schülerzahl (113) wurde Frau Müller im September 1957 nach Dielmissen versetzt, und der katholische Unterricht wurde durch Fräulein Hilbig, Dielmissen, erteilt. So standen wieder nur drei Lehrkräfte zur Verfügung.

Am   5.August 1958 vollendete Hauptlehrer Meyer sein 65.Lebensjahr. Er wurde an diesem Tage in den Ruhestand versetzt, blieb aber laut Regierungsverfügung noch bis zum 31.März 1959 im Amt. Am 21.März fand dann die Abschiedsfeier für Herrn Meyer statt. Anwesend waren Schulrat Kümmel, die Kollegen Mundt und Kürig von Eschershausen, Kollege Schreiber von Breitenkamp, die Gemeindedirektoren Schaper und Schünemann, Bürgermeister Eilers, Kurt Klages, Gerhard Warnecke, Chef Karl Müller, Pastor Schwerdtner, der katholische Pfarrer Haase und Frau Steffen.

Erich Meyer schrieb in die Chronik:"Die Feier war ein Hoheslied der Kollegialität meiner beiden Mitarbeiter Hölscher und Baumann. Allen Anwesenden wird die Feierstunde Verpflichtung sein und bleiben."

Hauptlehrer i.R. Meyer räumte die Dienstwohnung am 30.Oktober und zog nach Bodenwerder. Dort starb er am 22. April 1961, 67 Jahre alt.