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Heft 08: Kapitel 7
Mühevoller Anfang nach Kriegsende


Eine Dokumentation von Herrn Hans Hölscher 


Erst im September 1945 wurde der Schulbetrieb durch den pensionierten Lehrer Voges und Lehrer Oelhoff wieder aufgenommen. Die Neueinschulung im Frühjahr 1946 erfolgte durch eine Lehrerin Ziehm, und die Osterzeugnisse stellte der Kollege Weber aus Dielmissen aus, da Lehrer Voges ja pensioniert und Lehrer Oelhoff bereits im März 1946 an den Folgen einer Gallenoperation gestorben war. Das Jahr 1946 über versuchten nun Fräulein Ziehur (Flüchtling aus Danzig) und seit August 1946 Fräulein Hedwig Koch (Flüchtling aus Memel), den Schulbetrieb notdürftig aufrecht zu erhalten. Es war praktisch nur ein Aufgeben und Nachsehen von Schularbeiten. Durch den Zustrom von Evakuierten und Flüchtlingen war die Zahl der Schulkinder Ende 1946 auf 210 angewachsen. Sie konnten nur in ständigem Wechsel unterrichtet werden, da nur ein Klassenraum mit Sitzplätzen für etwa 60 Kinder verfügbar war, und Heizmaterial völlig fehlte. Fräulein Ziehm wurde im Januar 1947 nach Bremke versetzt.

Diese trostlosen Verhältnisse traf nun Lehrer Meyer an, der im Januar 1947 hier seinen Dienst antrat. Er war Rektor im Danziger Werder gewesen und nun nach überstandenen Kriegsjahren und schweren Verwundungen mit Frau und fünf Kindern praktisch mittellos in Kirchbrak eingesetzt wurde. Der Dienstanfang Erich Meyers Anfang Januar 1947 begann gleich mit Kälteferien, die bis Mitte Februar andauerten.

Der behelfsmäßige Unterricht konnte nach wie vor nur in einem Klassenraum, vormittags Lehrer Meyer mit den Großen,und nachmittags Frl. Koch mit den Kleinen, erteilt werden. Tafeln, Griffel, Bleistifte, Hefte und Fibeln gab es nicht zu kaufen. Erst im Laufe eines Jahres konnte diesem Notstand abgeholfen werden. Ein besonders erfreuliches Ereignis war die Lieferung von 50 neuen Bänken durch die Firma Müller u. Co., die nun den Unterricht in zwei Klassenräumen ermöglichten. Die Schülerzahl von 230 Kindern erforderte nun dringend die Einstellung einer dritten Lehrkraft, die allerdings erst im Juni 1948 erfolgte. Lehrer August Werner, geb. 1900 in Aschersieben, wurde nach einjähriger Dienstzeit in Eschershausen nach Kirchbrak versetzt. Aber im gleichen Monat heiratete Frl. Koch den Steinbruchbesitzer Fritz Schinkel und schied im Juli 1948 aus dem Schuldienst aus. Nun standen wieder nur zwei Lehrkräfte, Meyer und Werner, für 240 Schulkinder zur Verfügung.

Die im Juni 1948 erfolgte Währungsreform blieb auch nicht ohne Auswirkung auf den Schulbetrieb. So mußte der Elternbeitrag für die Schulspeisung, an der 80 Kinder teilnahmen, auf 15 Pf. herabgesetzt werden; aber auch diesen kleinen Betrag konnten viele Eltern kaum aufbringen.

Anfang Januar 1949 wurde die Lehrerin Josephine Maciejek als 3. und katholische Lehrkraft von Brunkensen nach Kirchbrak versetzt. Nach einigen Auseinandersetzungen mit der Gemeinde, die eine evangelische Lehrkraft haben wollte, setzte sich doch die Regierung durch, und Fräulein Maciejek bekam in der ohnehin überbelegten Schule auf dem Dachboden eine Stube und eine Kammer zugewiesen. Sie unterrichtete das erste und zweite Schuljahr, Herr Werner das dritte und vierte, und Herr Meyer die Ober­stufe.

Nach einer kurzen Unterbrechung wurde die Schulspeisung, nachdem sie immer schlechter geworden war, mit Unterstützung der Militärregierung zum Preis von 0,05 DM wieder aufgenommen.

Im Schulhaus wohnten 1949 17 Personen; auf der rechten Seite Familie Meyer mit sieben Personen, Familie Voges mit zwei Personen und Fräulein Maciejek, auf der linken Seite die Familie Theuner-Bien mit fünf Personen und die Witwe Oelhoff mit zwei Kindern. Da der Kollege Voges immer noch nicht die Dienstwohnung geräumt hatte, kam es zu er­heblichen Spannungen zwischen ihm und Lehrer Meyer.

Bei einer Schülerzahl von 260 Kindern wurde eine vierte Lehrkraft immer dringender erforderlich. Da die Regierung nicht reagierte, wurde der in Westerbrak wohnende Mittelschulrektor a.D. Dietrich im April 1949 von der Gemeinde durch Privatvertrag angestellt.

Die 260 Kinder verteilten sich auf folgende Klassen und Lehrkräfte:
1. u. 2. Schuljahr 76  (Maciejekj), 3. Schuljahr 44 (Dietrich), 4.u.5. Schuljahr 75 (Werner), 6.-8. Schuljahr 65 (Meyer). Davon waren 207 Kinder evangelisch, 52 katholisch und 1 gottgläubig. Die Mädchen waren mit 143 den Jungen mit 117 um einige in der Mehrzahl. Der Unterricht fand in beiden Klassenräumen vormittags und nachmittags statt.

Die Freude über die vierte Lehrkraft dauerte aber nur bis Mitte Mai, da Herr Dietrich an die Realschule Holzminden berufen wurde. Noch im selben Monat kam der Schulamtsbewerber Karl-Heinz Baumann von der Pädagogischen Hochschule Göttingen nach Kirchbrak. Er heiratete im Juni, konnte aber nicht in die Schule ziehen, da die Dienstwohnung immer noch von der Witwe Oelhoff besetzt war. Er wohnte zunächst mit seiner Frau im Dorf bei Frau Göhmann.

Im Oktober 1949 ereignete sich in der Schule ein Vorfall mit bösen Folgen. Lehrer Werner wurde wegen sittlichen Vergehens an einem Schulmädchen vom Dienst suspendiert und im Februar 1950 mit einem Jahr Gefängnis bestraft.

Da Frau Oelhoff im Herbst die Dienstwohnung räumte und nach Goslar zog, konnte Lehrer Baumann endlich in die Schule einziehen. Aber wieder standen Ende 1949 nur drei Lehrkräfte für rund 250 Kinder zur Verfügung.