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Heft 08: Kapitel 4
Endlich die zweite Lehrerstelle


Eine Dokumentation von Herrn Hans Hölscher 


Im April 1902 wurde Paul Wildhagen als zweiter Lehrer eingestellt. Er war 1872 geboren, hatte das Seminar in Wolfenbüttel besucht und war dann als Hilfslehrer in Zorge, Astfeld und Harlingerode beschäftigt gewesen. Er war mit Hedwig, geb. Röder, verheiratet. In Kirchbrak wurden ihm 1903 und 1905 je eine Tochter geboren.

Nun endlich wurde das neue Schulhaus voll genutzt. Beide Lehrerwohnungen waren besetzt, und die zwei Klassenräume faßten wohl gerade die Schulkinder, die in drei Abteilungen unterrichtet wurden. Die Ältesten, die erste Abteilung, hatten 24 Stunden, die mittlere Abteilung 21, und die untere Abteilung 14 Stunden. Das waren insgesamt 6o Stunden, davon der erste Lehrer 27, der zweite 30, und die Handarbeitslehrerin Frau Horn drei Stunden erteilte.

Ein Sommerstundenplan aus dem Jahre 1908 ergibt einige Aufschlüsse:
In folgenden Fächern wurde Unterricht erteilt:  Biblische Geschichte,  Katechismus, Deutsch,
Rechnen, Heimatkunde, Erdkunde, Geschichte, Naturkunde, Schreiben, Singen Zeichnen, Trunen, Handarbeit.
Im Sommer begann der Unterricht um sieben Uhr und endete um 12 Uhr. Nachmittags war von 13 bis 15 Uhr Unterricht. In einigen Stunden wurden die zweite und dritte Abteilung gleichzeitig von einem Lehrer unterrichtet.

Ein Übermaß von Autorität und ein Mangel an pädagogischen Mitteln, dazu die große Schülerzahl waren der Grund für oft ungerechtfertigte Strafen, und körperliche Züchtigungen verschiedener Art waren an der Tagesordnung. Vor allem die erste Stunde am Montag (im Stundenplan sinniger Weise "Betstunde" genannt) diente der Sühne mit dem Stock für begangene Übeltaten des Wochenendes.

Dazu ein Elternbrief: "Kirchbrak, den 27.11.1907 Geehrter Herr Göbel. Ich theile Ihnen ergebenst mit, daß unser zweiter Lehrer Herr XXXXXXX meiner Tochter über Kopf und Arme so geschlagen hat, das sie Blau und Gelb gewesen ist, das Blut auf dem Arme durchscheint, wo sie die ganze Nacht über die Arme geklagt hat, wo es schon zum wiederholten mahle vorgekommen ist, wo er sie aber am meisten am Kopfe gekniffen hat das sie auch blau gewesen ist, da meine Tochter noch am Kopfe leidet, da unser Herr Pastor verreißt ist, möchte ich Ihnen bitten, mir binnen 24 Stunden darüber in Kenntnis zu setzen wo ich mich wiedrigen Falls vom Arzte ein Artest holen würde, und mich an das Konsistorium verwenden werde. Achtungsvoll. Friedrich XXXXXXX, Kirchbrak An Herrn Pastor Berndt, Hochehrwürden, zur Kenntnisnahme und Erledigung.
Stadtoldendorf, 27.XI.o7. Göbel, Superintendent"

Was Herr Pastor Berndt daraufhin veranlaßt hat, war aus den Akten nicht zu erfahren.

Während des Ersten Weltkrieges war Lehrer Wildhagen von 1916 bis Kriegsende Soldat. Lehrer Horn war seit 1909 öfters krank und mußte sich während der Kriegszeit fast jedes Frühjahr vertreten lassen. In dieser Zeit halfen unter anderen die Lehrer Samse und Becher aus. Die dritte Lungenentzündung hatte schließlich seinen Tod zur Folge. Er starb am 30. Januar 1920. Seine Frau war ihm schon im Oktober 1918 vorausgegangen.