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Heft 07: Kapitel 3
Braunschweigische Kirchenordnungen und Schulerlasse


Eine Dokumentation von Herrn Hans Hölscher 


Über die Entwicklung der Schulen auf den Dörfern wissen wir nur wenig. Das kirchliche und schulische Leben wurde durch landesherrliche Erlasse und Verordnungen geregelt.

Die ersten Ansätze für eine allgemeine Volksschule finden wir in der "Christliken Kerken-Ordeninge" von 1543. Darin wird bestimmt, daß die Küster auf den Dörfern die Kinder im Katechisnus zu unterrichten haben und auch den kirchlichen Gesang zu pflegen. Diese Anordnung wurde sicher nur unvollständig befolgt und wenn überhaupt, dann noch nicht in Schulen, sondern vor oder nach den sonntäglichen Gottesdiensten. Von einer Schulpflicht konnte noch keine Rede sein. Daran änderte auch die Kirchenordnung des Herzogs Julius von 1569 noch nichts. "Man kann annehmen, daß zwar der Katechismus, die Gebete und die Lieder eingeübt wurden, aber die Ortschaften, in denen daneben auch noch das Lesen und Schreiben oder sogar noch Rechnen gelehrt wurden, waren ganz selten." So schreibt Koldewey in seiner Geschichte des Schulwesens im Herzogtum Braunschweig. Und wenn dann erst 1601 in einem Landtagsabschied erstmalig von einem Examen der Küster die Rede ist, so muß man Kirchbrak zu den seltenen bevorzugten Dörfern rechnen, da man hier bereits 1574 einen geprüften Küster einstellte. Welchen Einwohnern von Kirchbrak aber die Segnungen eines Schreib- und Leseunterrichts zuteil wurden, läßt sich nur vermuten. Sicher waren es nur die Kinder der Privilegierten, der Gutsherrschaft, des Pächters oder Verwalters, des Pastors und vielleicht auch des Küsters. Das waren dann schon alle in dem "Junkerdorf" Kirchbrak.

Aber bereits im Jahre 1647 wurde durch den 2 Artikel der "Allgemeinen Landesordnung" wenigstens auf dem Papier der Grundsatz einer allgemeinen Schulpflicht im Herzogtum festgelegt. Die Eltern sollten ihre Kinder bei den Schulmeistern oder Küstern so viele Jahre zur Schule schicken, bis sie den Katechismus verstehen und gedruckte Schrift lesen können. Dieser Unterricht war allerdings nur für den Winter vorgesehen. Im Sommer sollten die Kinder sonntags vor oder nach dem Gottesdienst zum Unterricht geschickt werden, damit sie das Gelernte nicht wieder vergessen. Wenn auch bei Nichtbefolgung Strafen angedroht wurden, dürften die Erfolge in den einzelnen Dörfern doch recht unterschiedlich gewesen sein.

1651 erließ Herzog August eine Schulordnung, die das gesamte Schulwesen im Lande regelte. Von den drei Arten der Schulen interessiert uns in diesem Zusammenhang nur die unterste. Sie sollte in allen Dörfern und Flecken eingerichtet werden. Den Unterricht sollten die Küster erteilen, aber keine Handwerker oder solche, die des Schreibens und Lesens nicht mächtig seien. Nach Möglichkeit sollten sie ihre Kenntnisse in einem Examen nachweisen. Für die meisten Dörfer war das aber graue Theorie.