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Heft 07: Kapitel 1
Die ersten Anfänge im 16. Jahrhundert


Eine Dokumentation von Herrn Hans Hölscher 


Die erste Nachricht, die andeutet, daß es bereits ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts in dem kleinen Kirchbrak so etwas ähnliches wie eine Schule gegeben hat, stammt aus dem Jahre 1574.

Da schreibt der Superintendent Jovius in Halle einen Brief an die Junker von Grone in Kirchbrak, daß er ihnen einen frommen und gottesfürchtigen Gesellen namens Caspar Schlegel für den Opperdienst" (Küsterdienst) in Kirchbrak empfiehlt. Die folgende Bemerkung ist wichtig:" Dazu ist er mit Schreiben, Rechnen und Singen so gegründet, daß ihm meines Erachtens der Dienst wohl anvertraut werden kann." Schreiben und Rechnen waren nicht unbedingt zum Küsterdienst erforderlich, aber er brauchte sie, allerdings wohl nur gelegentlich und vereinzelt, um Kinder aus gehobenen Kreisen in diesen Künsten zu unterrichten. Daß bereits damals schon manche "Opperleute" in gegebenen Fällen Unterricht erteilten, geht 1583 aus einem Brief des damaligen Oppermanns (Küster) Hermann Hundertmark in Dielmissen hervor, in dem der Küster schreibt, daß er sich verpflichtet, wenn jemand seine Kinder zu ihm in die Schule gehen lassen will, er sie nach seinem besten Vermögen unterrichten und lehren will.

Die bisherigen Ausführungen treffen allerdings nur auf die Dörfer zu. In den größeren Orten, wie z.B. in Bodenwerder bestand um diese Zeit eine "Hohe Schule", in der auch Latein unterrichtet wurde. Auf dem Lande dagegen brauchten die Bauern ihre Kinder dringend bei der Arbeit in Haus und Feld. Sie sahen überhaupt nicht ein, wozu ihre Kinder schreiben und lesen, geschweige denn rechnen lernen sollten. Sie zeugten ihre Kinder auch in der Absicht, billige Arbeitskräfte zu erhalten. Dieses Problem prägte dann noch über die Jahrhunderte die Schulverhältnisse.

Der 1574 vorgeschlagene Caspar Schlegel sollte sich mit der Witwe seines Vorgängers "der Besoldung wegen fein und freundlich vergleichen, damit sie darüber ganz keinen Schaden fasse." Oft wurde es sogar zur Bedingung bei einer Amtsübernahme gemacht, daß der Nachfolger die Witwe seines Vorgängers heiratete. So geschah es auch um die gleiche Zeit mit einem Pastor, der sich um die Pfarrstelle in Dielmissen bewarb.