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Heft 02: Kapitel 16
Die neue Ortsdurchfahrt


Eine Dokumentation von Herrn Hans Hölscher 


Die enge und kurvenreiche Straße durch Westerbrak war der Grund für eine jahrelange Auseinandersetzung zwischen dem Landkreis Holzminden und einer Gruppe von Gegnern des Straßenbaues in Westerbrak. Dem geplanten Unternehmen wäre nämlich ein Teil des von Groneschen Barockgartens und somit auch das kunsthistorisch wertvolle Engelstor zum Opfer gefallen.

Bereits 1974 war ein Planfeststellungsverfahren für den Ausbau der Kreisstraße 17 erfolgt. Schon in den Jahren davor waren Stimmen laut geuorden, die sich gegen eine Inanspruchnahme des Gutsparkes und einen Abbau oder eine Versetzung des Engelstores wandten. Eine hannoversche Zeitung berichtete über das Thema unter der Überschrift: "Rennstrecke oder Barockgarten?" Ein niedersächsischer Heimatverein machte Front gegen "die Zerstörung wertvollen Kulturgutes". Eine Wochenzeitung schrieb empört: "Wie man Millionen verpulvert und dabei eine Landschaft gegen den Willen der Bevölkerung zerstört". Sogar das Zweite Deutsche Fernsehen kreuzte auf und strahlte am 25.8.1973 eine Sendung über das Westerbraker Problem aus.

Nicht ohne das Zutun der Medien gingen die Auseinandersetzungen weiter und wurden so hart, daß der Landkreis beinahe auf den Ausbau in der Ortslage Westerbrak verzichtet hätte. Aber ein erneuter Lokaltermin und eine sachliche Aussprache, an der auch der Eigentümer des Gutsparkes und der Dezernent für Denkmalspflege teilnahmen, brachte dann doch noch eine Lösung. Beide Seiten betrachteten sie als einen befriedigenden Kompromiß.

Wer heute die neue Straßenführung betrachtet, wird feststellen, daß das Ortsbild nur gewonnen hat, ganz abgesehen von der gesicherten Ortsdurchfahrt. Der Park ist zwar kleiner geworden, aber in seinem schönsten Teil erhalten geblieben. Das Engelstor kommt in der neuen Parkmauer voll zur Geltung und wird durch einen Grünstreifen zwischen Straße und Mauer noch hervorgehoben. Beide Kontrahenten hatten mit Berechtigung ihre Einwände erhoben, aber wie dann Unsachlichkeiten und Emotionen den Fall aufbauschten, wurden die Verhandlungen unnötig kompliziert und beinahe zum Scheitern verurteilt.

Daß das ganze Unternehmen nun doch beide Parteien zufriedenstellte, geht offensichtlich aus dem nun folgenden abschließenden Kapitel hervor.