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Heft 02: Kapitel 15
Handwerk und Industrie


Eine Dokumentation von Herrn Hans Hölscher 


Die letzten 2oo Jahre sind nicht spurlos an Westerbrak vorübergegangen. Die Landwirtschaft hat ihre Vormachtstellung verloren. Eine Herdbuchzucht des Gutes wurde schon vor Jahren aufgegeben. Neben einer heute noch betriebenen Saatgutzucht ist nach dem letzten Kriege eine moderne Gärtnerei entstanden. Ein großzügig angelegter Gemüseanbau ist das Hauptmerkmal dieses Betriebes, der vor allem in der schweren Zeit nach dem Kriege einer ganzen Anzahl der Westerbraker Einwohner Arbeit und Verdienst verschaffte. Die Jungpflanzen werden in großen Gewächshäusern gezogen und mit modernen Pflanz-, Hack- und Erntemaschinen gesetzt, gepflegt und geerntet. Außerdem zieht der Gärtnermeister Reinecke große Mengen von Topf- und Schnittblumen auf, die an Betriebe der Umgegend abgesetzt werden.

Das alte Handwerk der Schmiede hat sich bis heute noch erhalten. Die Schmiede ist seit 6 Generationen im Besitz der Familie Ahlbrecht. Sie besteht nunmehr über 125 Jahre, mit der Verdrängung des Pferdes durch den Trecker verstummte allmählich das vertraute Pinke-pank am Schmiedebrink mitten im Dorf. Eine neue Schmiede entstand 1927 an der Straße nach Kirchbrak. Durch die Anfertigung von Pflügen wurde sie über den Kreis hinaus bekannt. Die fortschreitende Motorisierung gab dann dem Betrieb ein neues Gesicht. Die Schmiede in Westerbrak ist nun den Erfordernissen der neuen Zeit voll angepaßt.

Die Steinindustrie liefert schon seit langem vielen Einwohnern Verdienstmöglichkeiten. Die Steinschleifmühle Wigand konnte, ehe sie vor 2o Jahren ihren Betrieb verlegte, auf eine lange Tradition zurückblicken. Sie war bereits 1842 von dem Gutsherrn von Grone angelegt worden. Von ehemals 81 im Kreis Holzminden bestehenden Schleifkränzen waren die beiden in Westerbrak die einzigen, die noch übrig blieben.

Heute ist aus der alten Schleifmühle unter den Händen eines Landschaftsgärtners ein paradiesisch schönes Fleckchen Erde geworden, das unter der liebevollen Pflege seiner Bewohner zu einem Anziehungs- und Treffpunkt eines großen Freundeskreises geworden ist.

Der einzige noch bestehende Steinbruchbetrieb in Westerbrak ist die Firma Hermann Düe, Wesersandsteine. Vor 26 Jahren gegründet, beschäftigt sie etwa 15 Arbeitskräfte. Dank der Tüchtigkeit des Unternehmers und dank der allen Erfordernissen gerechten modernen Ausstattung mit Maschinen ist der Betrieb vollbeschäftigt. Ein Vollgatter mit 2o Sägeblättern sägt die Blöcke in die gewünschten Plattenstärken, eine Kreissäge mit elektronischer Bedienung ergänzt die Ausstattung. Die Produktion erstreckt sich über Mauersteine, Bossen und Platten bis zu jedem gewünschten Werkstück. Ein gutes Absatzgebiet ist unter anderem auch Holland. Im letzten Jahr wurden über 2o Wagenladungen Platten für Gartengestaltung in dieses Land geliefert.

(Anmerkung: Der Steinbruchbetrieb Düe wurde verkauft und ist dann mit dem neuen Besitzer leider in Konkurs gegangen.)