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Heft 02: Kapitel 14
Westerbrak um die Mitte des 18. Jahrhunderts


Eine Dokumentation von Herrn Hans Hölscher 


Bereits 1745 hatte der Herzog Carl von Braunschweig-Wolfenbüttel eine Vermessung des ganzen Landes angeordnet. Sie hatte im Gegensatz zu anderen Vermessungen in Preußen und Kurhannover den Zweck, die Grundlage für einen gerechten Ansatz der Abgaben vom Grundbesitz an den Staat und die Grundherren und für eine Verkoppelung zu bilden. Die Vermessungsunterlagen, die Grundrisse und Beschreibungen der Orte sind uns erhalten geblieben. So verfügen wir über ein aufschlußreiches Bild Westerbraks aus dieser Zeit. Es überraschte nicht weiter, daß in Westerbrak, wie auch in allen anderen Orten, eine beträchtliche Menge an sogenanntem Überschußland entstand. Vor der Vermessung war die Westerbraker Ackerflur 491 Morgen groß; nach der Vermessung waren es immerhin 528 Morgen, also 37 Morgen mehr. Davon entfielen auf den von Groneschen Hof 4oo Morgen; der Rest verteilte sich auf sieben Kleinkothöfe und zwei Brinksitzerstellen.

Die Namen der Kleinköter: Johann Heinrich Dörries (Nr. 1), Johann Heinrich Müller (Nr. 2), Johann Sander (Nr. 4), Johann Ernst Weking (Nr. 5), Christoph Becker (Nr. 6), Johann Heinrich Rösner (Nr. 7), Hans Harm Meyer (Nr. 8).

Brinksitzer: Christoph Lange (Nr. 3), Hans Tönnies Krup (Nr. 9).

Die beiden Ackerhöfe Sander und Falke, die um 1600 noch erwähnt werden, sind nunmehr in den Ländereien des Gutes aufgegangen.

Die allgemeine Dorfbeschreibung ergibt folgendes Bild: Ackerbau, Einsaat und Ertrag: Das Land um das Dorf mittelmäßig, am Wald und am Berghang schlecht. Die Einsaat pro Morgen 2 Himbten, der Ertrag ungefähr 8 Himbten.

Viehzucht und Weide: Wegen Mangel an guter Weide ist die Viehzucht schlecht.

Wiesen: Die wenigen Wiesen, die die Einwohner haben, sind nur einhauig (eine Ernte).

Der Wald besteht größtenteils aus Eichen und Buchen und ist gut im Stand. Das gleiche gilt für die Jagd und Fischerei. An Handwerkern sind im Dorf zwei vorhanden, ein Schmied Christoph Becker und ein Leineweber Christoph Lange. Baumaterialien sind der Sandstein, der ausreichend vorhanden ist; das Bauholz wird aus dem Gutswald geliefert. Eine Schäferei wird betrieben, zu der etwa ''400 Schafe gehörten. Ein Krug (Wirtschaft) ist nicht vorhanden; ebenfalls fehlen jegliche Feuerlöschgeräte.

Der Grundriß der Feldmark und des Dorfes Westerbrak wurde von dem Landmesser Georg Christian Geitel ausgeführt, dessen Arbeiten sich durch Genauigkeit und gute Ausführung auszeichneten. Er ist ein Vorfahre des Inhabers des Kaufhauses Geitel in Bodenwerder. Auch eine genaue Einwohnerzahl aus dem Jahre 1782 ist uns bekannt. Westerbrak zählte damals 112 Seelen, 56 männliche und 56 weibliche. Davon waren 29 Kinder unter 14 Jahren, 19 Jungen und 1o Mädchen.

Damals war das Gut an den Gerichtsschulzen Niemeyer verpachtet, der Besitzer, der Kammerherr und Hofmarschall Carl von Grone, hielt sich in Gotha auf.