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Köhler im Vogler

Der Wanderer im Vogler wird hier und da auf runde eingeebnete Plätze stoßen. Sie haben einen Durchmesser von acht bis zehn Metern. Untersucht man den Boden, dann wird man auf eine Schicht Kohle stoßen, offenbar Holzkohle, in kleinen Stücken oder zerbröckelt. An diesen Plätzen, Kohleplacken genannt, stand einmal zu runden Haufen gestapeltes Holz für die Meiler, die in Holzkohle verwandelt wurden.

Wenn wir heute von Holzkohle sprechen, dann meinen wir zumeist damit die Kohle, die wir fertig verpackt zum Grillen kaufen können, und ahnen nicht, dass sie in solchen Meilern auch heute noch entstanden sein kann. Wir wissen, dass die Würste oder Fleischstücke nicht bei offener Flamme gebraten werden, sondern dass beim Grillen die Wärme von dieser Holzkohle stammt, die im Grill nur glimmt und die Hitze ausströmt. Was ist geschehen?

Der Verfasser konnte eines Tages im Frühjahr einen Köhler in der Nähe von Dassel-Relliehausen im nördlichen Solling bei der Arbeit beobachten. Ihm war von einem Forstbeamten in einem Waldrevier ein Gelände angewiesen worden, in dem er seine Arbeit betreiben konnte. Hier hatte er von gefällten Buchen geeignete Äste, die als Bauholz nicht zu gebrauchen waren, gesammelt und in etwa ein Meter lange Stücke geschnitten. Diese wurden rings um den zukünftigen Meilerplacken gestapelt.

Dort begann der Köhler bei geeigneter Witterung mit der Arbeit. Zwischen zwei im Erdboden aufgestellte Stangen, die Quandelstangen, schichtete er etwas Reisig und trockenes Brennholz. Um diese Stangen herum stellte er nun in einem unteren Kreis das gestapelte Holz in einem großen Rund auf. Dabei ließ er von außen bis zur Mitte einen schmalen Zugang frei. War der Meiler fertig aufgebaut, dann zündete er mit einem ölgetränkten Lappen durch den „Quandelgang" das Reisig und das Brennholz in der Mitte an. Alsbald kam Rauch bzw. Wasserdampf aus dem abgedeckten Meiler heraus, d.h.. er hatte gezündet, und das Holz begann zu schwelen. - Die einzelnen Arbeitschritte des Köhlers bis hin zum Aufreißen der abgekühlten Holzkohle soll hier nicht beschrieben werden. Zwölf bis vierzehn Tage dauerte es, bis die Kohle, in Säcke verpackt, abgeliefert und verkauft werden konnte. Inzwischen war schon ein zweiter Meiler in Angriff genommen worden.

Bevor es möglich war, die Steinkohle tief in der Erde abzubauen, war die Holzkohle das wichtigste Material zur Gewinnung von Eisen aus dem Eisenerz und zur Herstellung von Eisen. Auch für die Schmiede war Holzkohle unerlässlich. Daneben aber hatte man zahlreiche Möglichkeiten entdeckt und entwickelt, die Holzkohle in der Industrie und im Haushalt zu verwenden. - Im Laufe der Zeit aber wurde sie durch andere Stoffe und Verfahren abgelöst. Die industrielle Herstellung von Holzkohle von der DEGUSSA in Bodenfelde im Solling beweist aber, dass sie noch im großen Stil gebraucht wird.

Im Vogler schwelten noch Meiler bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges. Unter den Dorfbewohnern hat es niemals Köhler gegeben. Sie haben nur Fuhrdienste geleistet.