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Glashütten im Vogler

Die Glasmacher, die hier im Vogler auftauchten, waren nicht etwa Einwohner unserer Dörfer. Ursprünglich kamen sie aus den Mittelmeerländem über Italien nach Frankreich und von dort über den Rhein nach Süddeutschland. Da sie sehr viel Holz verbrauchten, verlegten sie ihre Hütten immer weiter hinein in die nordwärts gelegenen Waldgebiete vom Schwarzwald, in den Bayrischen Wald, den Böhmer Wald, über die hessischen Wälder, den Franken- und Thüringerwald auch in das Weserbergland. Überall hinterließen sie ihre Spuren, im Thüringerwald z.B. die Herstellung von Christbaumschmuck. Das Holz der Wälder verbrauchten nicht sie allein, sondern auch Köhler, Tischler und Zimmerleute, Töpfer und Salzsieder Bergleute und Aschenbrenner, die Haushalte in den Küchen und die Bauern, die ihr Vieh in die Wälder trieben, besonders so lange es noch keine Kartoffeln als Futter für Schweine gab. So verwundert es uns nicht, dass im Solling die „Große Blöße" entstand, eine waldfreie Fläche,, auf der sich der Wald nur langsam wieder ausbreitete.

So kamen die Glasmacher eines Tages auch in den Vogler. Beim Herzog von Braunschweig beantragten sie eine Konzession. Im Auftrag des Amtmannes von Wickensen mussten die Förster, damals noch „Jägermeister", ihnen ein geeignetes Waldrevier z.B. im Wabachtal zuweisen. Im unteren Teil des Tales legten sie eine Hütte an, schlugen im Winter ausreichend Holz ein, das sie dann im folgenden Sommer zwischen Ostern und dem beginnenden Winter verbrauchten, eine Meterbank bis zu drei Kilometern Länge.

Es werkelten da in einer Glashütte nicht etwa nur der Meister mit zwei oder drei Mitarbeitern. Eine Glashütte war nach mittelalterlichen Vorstellungen ein Großbetrieb mit etwa 50 und auch mehr Leuten. An einem Ofen mit drei und mehr Öffnungen arbeiteten bis sechs Leute jeweils Hand in Hand. Dazu kamen mehrere Schürer, die das Feuer Tag und Nacht in Gang halten mussten, ferner Packer, Träger, Fuhrleute, die z.B. den Ton für die Häfen aus Großalmerode heranholen mussten, ferner den Sand, der mit Salz und Asche vermischt wurde. Glasmacher pachteten in Heinrichshagen einen Bauernhof, in dem die Frauen sich aufhielten und die ganze Belegschaft mit dem notwendigen Lebensunterhalt versorgten, dazu die Kinder. Auch ein Schulmeister gehörte zur Hütte, der auch die schriftlichen Arbeiten zu erledigen hatte. So verwundert es uns nicht, dass eine Hütte in Glashütte an der Oberweser 90 Einwohner zählte.

Die Einwohner von Breitenkamp und Heinrichshagen waren also nicht unter den gelernten Glasmachern zu finden, sondern wurden höchstens zu Nebenarbeiten herangezogen. Glashüttenplätze lassen sich dank der auffindbaren Bruchstücke von Glashäfen am Melkenborn nachweisen und im Frankenhohl, d.h.. zumeist in der Nähe einer Quelle, darüber hinaus im Wabachtal und am Hang des Voglers bei Holenberg und Golmbach, ebenso in zwei Tälern bei Breitenkamp. In den Kirchenbüchern von Kirchbrak sind Taufen von Kindern der Glasmacher beurkundet. Das nächste Ziel der weiter wandernden Glasmacher war der Hils, wo um 1750 dank der Initiative des Oberjägermeisters von Langen eine ortsfeste Glasfabrik entstand.